Größenkurve berechnen: so planst du Größen aus deinen Verkäufen
Wer die Größenkurve berechnen will, braucht zwei Zahlen je Größe: was verkauft wurde und was da war. Aus beiden ergibt sich, wie sich die nächste Vororder auf S bis XXL verteilen soll. Hier steht, wie du dabei vorgehst und wo die üblichen Fehler liegen.
Was eine Größenkurve ist
Die Größenkurve ist die Verteilung einer Bestellmenge auf die Größen. Sie wird meist in Prozent angegeben. Beispiel: 10 Prozent S, 30 Prozent M, 35 Prozent L, 18 Prozent XL, 7 Prozent XXL.
Du rechnest sie je Warengruppe, nicht für den ganzen Laden. Herrenstrick verkauft sich anders als Damenhosen. Hosen haben oft Bundweiten und Längen, Hemden Kragenweiten. Je feiner die Gruppe, desto genauer die Kurve. Zu fein darf sie aber nicht sein. Unter einigen Dutzend verkauften Teilen pro Saison wird die Kurve zufällig. Dann fasst du ähnliche Gruppen zusammen.
Wichtig ist auch der Zeitraum. Nimm die gleiche Saison des Vorjahres, also Herbst/Winter für Herbst/Winter. Wenn die Daten reichen, nimm zwei Jahre. Das glättet Ausreißer, zum Beispiel einen einzelnen Großkunden, der fünf Mal XL gekauft hat.
Abverkauf je Größe als erster Schritt
Bevor du eine Kurve baust, prüfst du den Abverkauf je Größe. Die Formel: verkaufte Menge geteilt durch gelieferte Menge, mal 100. Mehr dazu steht im Ratgeber zur Abverkaufsquote.
Der Abverkauf zeigt dir, wo die alte Kurve nicht gepasst hat. Liegt eine Größe deutlich über den anderen, hast du zu wenig davon gekauft. Liegt sie deutlich darunter, hast du zu viel gekauft. Eine Größe mit sehr hohem Abverkauf ist ein Warnsignal. Sie war wahrscheinlich irgendwann leer.
Warum „kauf, was verkauft wurde" verzerrt ist
Der häufigste Fehler: Die Verkäufe der Vorsaison werden direkt zur neuen Kurve. Das klingt logisch, ist aber verzerrt. Verkäufe zeigen nur die Nachfrage, die du bedienen konntest. War M ab der achten Woche ausverkauft, sind die Kunden der Wochen neun bis zwölf nicht in deinen Daten. Sie sind gegangen oder haben etwas anderes gekauft.
Die Folge ist ein Kreislauf. Du bestellst weniger M, weil weniger M verkauft wurde. M ist wieder früher leer. Die Verkäufe sinken weiter. Gleichzeitig bleiben die Randgrößen liegen, weil sie im Verhältnis zu viel bestellt wurden.
Deshalb brauchst du den Bestandsverlauf. Du musst wissen, in welcher Woche eine Größe auf null ging. Viele Kassensysteme liefern das nicht direkt. Du kannst es aber aus Wareneingang und Verkäufen je Woche rekonstruieren.
Beispiel: Größenkurve für Herrenstrick
Beispiel mit erfundenen Zahlen. Eine Boutique hat in der Herbstsaison 175 Strickteile in fünf Größen bekommen. Die Saison dauert zwölf Wochen. M war in Woche 9 ausverkauft, L in Woche 8.
| Größe | Geliefert | Verkauft | Abverkauf | Ausverkauft in Woche |
|---|---|---|---|---|
| S | 20 | 18 | 90 % | nein |
| M | 45 | 42 | 93 % | 9 |
| L | 50 | 48 | 96 % | 8 |
| XL | 40 | 30 | 75 % | nein |
| XXL | 20 | 12 | 60 % | nein |
| Summe | 175 | 150 | 86 % |
Für M und L rechnest du die Nachfrage hoch. M: 42 Teile in 9 Wochen, also rund 4,7 pro Woche. Auf 12 Wochen wären das 56. L: 48 in 8 Wochen, also 6 pro Woche, auf 12 Wochen 72.
Diese Hochrechnung ist eine Obergrenze. Gegen Saisonende verkauft sich weniger, und ein Teil der Kunden hätte ohnehin nicht gekauft. Ein vorsichtiger Weg ist die Mitte zwischen Verkauf und Hochrechnung. M: (42 + 56) / 2 = 49. L: (48 + 72) / 2 = 60.
| Größe | Kurve nach Verkauf | Korrigierte Nachfrage | Korrigierte Kurve | Bestellung bei 160 Teilen |
|---|---|---|---|---|
| S | 12 % | 18 | 11 % | 17 |
| M | 28 % | 49 | 29 % | 47 |
| L | 32 % | 60 | 35 % | 57 |
| XL | 20 % | 30 | 18 % | 28 |
| XXL | 8 % | 12 | 7 % | 11 |
| Summe | 100 % | 169 | 100 % | 160 |
Die Gesamtmenge sinkt von 175 auf 160 Teile. Trotzdem steigen M und L. XL und XXL gehen deutlich zurück. Das ist die typische Verschiebung, wenn man die Ausverkäufe berücksichtigt.
Die Kurve in die Order übertragen
Die Kurve gilt für die Warengruppe. Im Showroom bestellst du aber Modelle. Bei 30 Teilen eines Pullovers ergibt die Kurve oben 3 S, 9 M, 11 L, 5 XL, 2 XXL. Bei 6 Teilen eines Modells funktioniert Prozentrechnung kaum noch. Dann entscheidest du, welche Randgrößen du weglässt.
Manche Marken liefern nur in festen Größenpaketen. Dann vergleichst du das Paket mit deiner Kurve und wählst das nächstliegende. Weicht es stark ab, frag nach Einzelgrößen. Viele Vertreter machen das auf Nachfrage möglich.
Achte außerdem auf die Passform der Marke. Fällt ein Label klein aus, verschiebt sich die Kurve eine Größe nach oben. Das siehst du in deinen Daten, wenn du die Kurve je Marke statt je Warengruppe rechnest.
Wenn du nicht selbst rechnen willst, nutze den Größenkurven-Rechner. Du lädst deinen Kassenexport hoch, die Datei bleibt dabei im Browser.
Kurz gesagt
- Rechne die Größenkurve je Warengruppe aus den Verkäufen der gleichen Vorjahressaison.
- Korrigiere Größen, die früh ausverkauft waren. Sonst bestellst du die gefragten Größen jedes Jahr knapper.
- Übertrage die Kurve auf die Modelle und prüfe Größenpakete und Passform der Marke.
Für die Bestellung im Showroom hilft dir die Showroom-Checkliste. Tailla berechnet die Größenkurve je Warengruppe aus deinen Kassendaten und berücksichtigt dabei ausverkaufte Größen. Du kannst es 30 Tage kostenlos testen.
Häufige Fragen
Wie berechne ich eine Größenkurve?
Du teilst die verkaufte Menge je Größe durch die verkaufte Gesamtmenge der Warengruppe. Vorher korrigierst du Größen, die früh ausverkauft waren, weil dort die Nachfrage höher war als der Verkauf.
Warum reicht es nicht, nach den Verkäufen zu bestellen?
Verkäufe zeigen nur, was da war. War M nach acht Wochen weg, fehlen dir die Verkäufe der restlichen Wochen, und die Kurve unterschätzt M.
Brauche ich eine Größenkurve je Warengruppe?
Ja. Strick, Hosen und Hemden fallen oft unterschiedlich aus und werden von anderen Kunden gekauft. Eine Kurve für den ganzen Laden ist zu grob.