Vororder planen: Zeitplan, Vorbereitung und Budget je Marke
Wer die Vororder planen will, fängt nicht im Showroom an, sondern Wochen vorher an der Kasse. Dort stehen die Zahlen, aus denen Budget, Größen und Modellauswahl folgen. Hier steht der Ablauf vom Zeitplan bis zur unterschriebenen Order.
Der Zeitplan
In der Mode bestellst du meist rund sechs Monate vor der Lieferung. Die genauen Termine legen Marken und Agenturen fest. Grob gilt:
- Herbst/Winter: Order im Frühjahr, Lieferung ab Sommer.
- Frühjahr/Sommer: Order im Spätsommer, Lieferung ab Jahresbeginn.
Das heißt: Du bestellst die nächste Saison, während die laufende noch nicht vorbei ist. Für Herbst/Winter fehlen dir beim Ordertermin die Wochen nach Weihnachten und der Schlussverkauf. Deshalb nimmst du die gleiche Saison des Vorjahres als Basis und gleichst sie mit dem Stand der laufenden Saison ab.
Plane die Vorbereitung zwei bis vier Wochen vor dem ersten Termin ein. Dann ist genug Zeit, Daten auszuwerten und das Budget festzulegen.
Vorbereitung vor dem Termin
Ein Ordertermin dauert oft nur ein bis zwei Stunden. In dieser Zeit entscheidest du über einen großen Teil deines Wareneinsatzes. Was du vorher klärst, musst du im Showroom nicht schätzen.
- Kassenexport der Vorjahressaison und der laufenden Saison ziehen. Welche Spalten du brauchst, steht im Ratgeber Kassenexport auswerten.
- Umsatz, Abverkauf und Restbestand je Marke ausrechnen.
- Open to Buy je Marke festlegen, also das Einkaufsbudget zum Einkaufspreis.
- Größenkurve je Warengruppe berechnen.
- Bestseller und Ladenhüter je Marke notieren, mit Modellnummer.
- Lücken im Sortiment aufschreiben: Was haben Kunden gefragt, was fehlte?
- Linesheet und Preisliste der Marke vorab anfordern.
Die vollständige Liste zum Ausdrucken findest du in der Showroom-Checkliste.
Budget auf Marken verteilen
Das Gesamtbudget ergibt sich aus der Open-to-Buy-Rechnung. Wie das geht, steht im Ratgeber Open to Buy. Danach verteilst du es auf die Marken. Ein einfacher Weg hat zwei Schritte.
Erstens: Jede Marke bekommt ihren Umsatzanteil aus der Vorsaison. Zweitens: Du verschiebst ein paar Prozentpunkte. Marken mit hohem Abverkauf bekommen mehr, Marken mit viel Restware weniger.
Beispiel mit erfundenen Zahlen. Eine Boutique hat für Herbst/Winter 50.000 Euro Open to Buy zum Einkaufspreis.
| Marke | Umsatz Vorsaison | Anteil | Abverkauf | Anpassung | Neuer Anteil | Budget |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Marke A | 60.000 € | 40 % | 78 % | +2 | 42 % | 21.000 € |
| Marke B | 45.000 € | 30 % | 70 % | 0 | 30 % | 15.000 € |
| Marke C | 30.000 € | 20 % | 52 % | −4 | 16 % | 8.000 € |
| Marke D | 15.000 € | 10 % | 81 % | +2 | 12 % | 6.000 € |
| Summe | 150.000 € | 100 % | 100 % | 50.000 € |
Marke C hat nur gut die Hälfte verkauft. Sie verliert Budget, auch wenn der Vertreter eine starke Kollektion zeigt. Marke D ist klein, verkauft aber gut. Sie bekommt etwas mehr Spielraum.
Verschiebe in kleinen Schritten. Eine Marke von 20 auf 5 Prozent zu kürzen, ist eine Sortimentsentscheidung, keine Budgetrechnung. Die triffst du bewusst und nicht im Showroom.
Im Showroom
Nimm das Budget je Marke als feste Zahl mit. Rechne während des Termins mit, was die Order kostet. Das geht auf Papier, in einer Tabelle oder in einer App auf dem Handy. Wichtig ist, dass du die Summe siehst, bevor du unterschreibst.
Bestelle Modelle, nicht nur Mengen. Für jedes Modell legst du Farbe, Stückzahl und Größen fest. Die Größen leitest du aus deiner Kurve ab. Wie du sie berechnest, steht im Ratgeber Größenkurve berechnen.
Viele Showrooms haben schlechten Empfang. Deine Unterlagen sollten deshalb auch offline auf dem Handy oder ausgedruckt verfügbar sein.
Überkauf vermeiden
Die meisten Überkäufe entstehen nicht durch eine große Fehlentscheidung, sondern durch viele kleine. Ein Modell mehr, weil es schön ist. Zwei Teile mehr je Größe, zur Sicherheit. Eine Farbe mehr, weil der Vertreter sie empfiehlt.
- Halte eine Reserve für Nachorder zurück, statt alles in die Vororder zu legen.
- Bestelle neue Modelle in kleiner Stückzahl und mit wenigen Größen.
- Prüfe vor der Unterschrift die Summe gegen das Budget. Liegt sie darüber, streiche zuerst die schwächsten Modelle, nicht die Größen der Bestseller.
- Rechne den Restbestand der Marke mit. Altware, die noch liegt, ist Teil deines Angebots in der neuen Saison.
Kurz gesagt
- Die Vororder läuft rund sechs Monate vor Lieferung. Plane die Vorbereitung einige Wochen vor dem ersten Termin.
- Verteile das Budget nach Umsatzanteil und verschiebe in kleinen Schritten nach Abverkauf.
- Geh mit festem Budget je Marke in den Termin und rechne die Order vor der Unterschrift nach.
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Häufige Fragen
Wann muss ich die Vororder planen?
Die Vororder läuft meist rund sechs Monate vor der Lieferung. Für Herbst/Winter bestellst du also im Frühjahr, für Frühjahr/Sommer im Spätsommer. Die Planung beginnt einige Wochen vor dem ersten Termin.
Wie verteile ich das Budget auf mehrere Marken?
Starte mit dem Umsatzanteil jeder Marke aus der Vorsaison. Dann verschiebst du Budget zu Marken mit hohem Abverkauf und weg von Marken mit viel Restware.
Wie vermeide ich, im Showroom zu viel zu bestellen?
Geh mit einem festen Budget je Marke in den Termin, rechne die Order während des Termins mit und halte eine Reserve für Nachorder zurück.